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Impfen...warum eigentlich?

 

Schwer verlaufende Infektionskrankheiten sind beim Hund selten, seuchenhafte Verläufe von Infektionskrankheiten sind nahezu unbekannt geworden. Die klassischen Infektionskrankheiten wie Staupe und Tollwut treten nur noch selten oder überhaupt nicht auf. Das ist auf die konsequente und regelmäßige Impfung unserer Hunde zurückzuführen. Die Impfung hat sich als eine sehr wirksame Maßnahme zur Bekämpfung der wichtigsten Infektionskrankheiten etabliert, indem sie die Abwehrmechanismen des Hundes gezielt aktiviert und damit früh in die Vermehrung der Krankheitserreger eingreift, um deren Ausbreitung zu verhindern.

Über viele Jahre wurden Impfungen beim Hund in jährlichen Abständen durchgeführt. Hier hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Es wird die Impfung des Hundes nach Bedarf gefordert und durchgeführt. Hierzu wurden von der Ständigen Impfkommission Veterinär (StIKoVet) Impfleitlinien erarbeitet. Je nach dem Zeitpunkt der Impfungen wird zwischen der Grundimmunisierung und Wiederholungsimpfungen unterschieden. Von außerordentlicher Wichtigkeit für das spätere Leben eines Welpen ist die Grundimmunisierung. Sie legt den Grundstein für eine belastbare Immunität des Hundes gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten. Daher ist auf eine vollständige Grundimmunisierung des Welpen unbedingt zu achten. Danach dient die Impfung der Aufrechterhaltung der Immunität. Hier unterscheiden sich verschiedene Impfkomponenten. Gegen einige Komponenten wie das Parvovirus, das Staupevirus oder das Tollwutvirus ist die Immunität lang dauernd. Hier muss nur in größeren Intervallen nachgeimpft werden. Andere Erreger wie Leptospirenbakterien bewirken nur eine kurzzeitige Hier muss in einem jährlichen Abstand geimpft werden.

 

 spritze

Impfleitlinien der StIKoVet 

 

Grundimmunisierung

Alle Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren, d.h. im Alter von

8 Wochen: HCC (ansteckende Leberentzündung), Leptospirose, Parvovirose, Staupe

12 Wochen: HCC, Leptospirose, Parvovirose, Staupe, Tollwut

16 Wochen: HCC, Parvovirose, Staupe, Tollwut

15 Monaten: HCC, Leptospirose, Parvovirose, Staupe, Tollwut

Wiederholungsimpfungen

Leptospirose: jährliche Wiederholungsimpfungen (in Endemiegebieten häufiger)

HCC, Parvovirose, Staupe: Wiederholungsimpfung ab dem 2. Lebensjahr in dreijährigem Rhythmus.

Tollwut: In Deutschland gelten seit Änderung der Tollwutverordnung vom 20.12.2005 die in den Packungsbeilagen genannten Wiederholungsimpftermine.

 

Unterschieden werden können Impfstoffe auch nach Core- und Non-Core-Vakzinen. Bei dieser Einteilung wird auf die Bedeutung einer Impfung für einen Hunde eingegangen. Sie gibt an, ob eine Impfung für einen Hund immer notwendig ist oder nur unter bestimmten Voraussetzungen notwendig und sinnvoll ist. Core-Vakzinen sind gegen solche Erreger gerichtet, gegen die jeder Hund zu jeder Zeit geschützt sein sollte: Staupe, Parvovirus, Tollwut, Leptospirose, HCC. Non-Core-Vakzine sind grundsätzlich nicht weniger wichtig, sollten aber nur geimpft werden, wenn der Hund tatsächlich mit ihnen konfontiert wird. Hierzu zählen: Zwingerhusten, Borreliose, Canines Coronavirus, Canines Herpesvirus.

 

Welche Impfung für den einzelnen Hund sinnvoll und notwendig ist, kann nur der betreuende Tierarzt entscheiden. Er kennt den Hund, die Seuchensituation in der Region, die Nutzung und Reiseaktivität des Hundes. In einem jährlichen Impfgespräch kann er den Hundehalter beraten und gemeinsam mit ihm einen sinnvollen Impfplan erstellen. Dies garantiert den bestmöglichen Schutz für den Hund und konsequent durchgeführt für die gesamte Population.

 

 

(Quelle: Uwe Truyen: Die Impfung des Hundes. In: Unser Rassehund, 12/2009, Verband für das Deutsche Hundewesen, S. 2-6)

 

 

VORSICHT: Bei Reisen mit dem Hund ins Ausland ist unbedingt auf Einreisebestimmungen und in den jeweiligen Ländern geltende Impfverordnungen zu achten. Eine Einreise des Hundes ist bei unzureichendem Impfschutz nicht möglich.

 

 

Im Folgenden werden kurz die Erscheinungsbilder einiger Kranheitserreger beschrieben.

 

 

Tollwut: Die Symptome einer Tollwuterkrankung werden von zentralnervösen Erscheinungen geprägt. Der Sitz der Veränderung, die das Tollwutvirus im Organismus eines empfänglichen Wirtes hervorruft, ist im Gehirn. Im Vordergrund stehen beim Hund Wesensveränderungen, auch in extremer Weise. Apathie und Aggression können das Anfangsbild prägen. Sehr bald treten Lähmungen auf, Zusammenbrechen in der Hinterhand bis zur Bewegungsunfähigkeit. Besonders deutlich fällt starkes Speicheln auf. Das kommt durch eine Schluck- und Kieferlähmung zustande. Heiseres Bellen kann beobachtet werden. Damit in Verbindung steht auch die sog. Hydrophobie – Angst vor Wasser. Die Betroffenen möchten trinken, können aber nicht abschlucken. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können auch Krämpfe auftreten. Die Krankheit verläuft relativ schnell – vom Auftreten erster klinischer Erscheinungen vergehen nur wenige Tage bis zum unausweichlichen Exitus.

 

Parvovirose: Das Erscheinungsbild der Parvovirose wird von heftiger Darmerkrankung bestimmt. Erbrechen und blutiger Durchfall bestimmen das Bild. Das anfängliche Geschehen zu Beginn der 80er Jahre wurde durch eine Herzmuskelentzündung der ganz jungen Welpen kompliziert. Die Welpen starben in den ersten Lebenstagen, ohne weitere Symptome auszubilden. Sie waren absolut ungeschützt, ohne jegliche Abwehrstoffe gegen diese neue Seuche. Mit der Verbreitung des Erregers und dem Beginn der Schutzimpfung bekamen die Welpen Antikörper von der Mutter und die Myocarditis in den ersten Lebenstagen trat zurück. Das heftige Erbrechen und die blutige Diarrhoe führen zu einem sehr schnellen Austrocknen des Hundes, ein drastisches Siechtum und führen nach Stunden oder wenigen Tagen zum Tod.

 

Staupe: Das Erscheinungsbild ist vielseitig und wechselhaft. Das hängt mit der Anzahl verschiedener Zellgewebe, die von Staupeviren besiedelt werden, zusammen. Symptome der Atemwege, der Kopfschleimhäute, des Magen- und Darmtraktes sowie des Nervensystems sind dieser selektiven Breite der befallenen Zellen zuzuordnen. Die Staupe begegnet uns zuerst als akute Erkrankung. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Tage. Danach treten Fieberschübe mit über 40°C auf. Symptome des Respirationstraktes und auch Enteritis (entzündliche Erkrankung des Dünndarms) mit Diarrhoe treten in den Vordergrund. Diese Phase kann zum Tod führen oder auch 10 bis 14 Tage anhalten und dann in eine chronische Form übergehen. Bei der chronischen Verlaufsform treten zentralnervöse Erscheinungen in den Vordergrund. Bei der Staupe wird je nach Situation mit 50% Verlusten unter den Erkrankten gerechnet. Das sehr vielseitige Krankheitsbild und der nicht immer typische Verlauf führen dazu, dass Staupe nicht immer diagnostiziert wird. Verdachtsdiagnosen aufgrund des klinischen Bildes müssen labordiagnostisch abgeklärt werden.

 

Ansteckende Leberentzündung (HCC): Das Krankheitsbild wird durch einen heftigen, akuten Verlauf bestimmt. Nach kurzer Inkubationszeit kann hohe Körpertemperatur festgestellt werden. Perakutes (blitzschnelles) Verenden der erkrankten Hunde kommt vor. Ansonsten treten erhebliche Leberschwellungen, Schmerzen im Bauch, auch Gelbsucht und Durchfall in den Vordergrund der Krankheitszeichen. Beschrieben wird auch eine Trübung der Hornhaut, das sog. „Hepatitis blue eye“. Diese Erscheinung tritt im Krankheitsverlauf spät auf, weil sie ein reaktives Phänomen ist. Es hängt mit der Immunantwort des betreffenden Tieres zusammen. Diese Trübung bildet sich gewöhnlich nach mehreren Tagen zurück.

 

Leptospirose: Die Leptospirose kommt bei Hunden in Deutschland recht häufig vor. Sie wird nicht immer als solche erkannt, weil ihr Erscheinungsbild besonders im Anfangsstadium durch wenig spezifische Symptome bestimmt wird. Erbrechen, Durchfall, schmerzhafter Bauch, Zittern und Fieber können beobachtet werden. Die fortschreitende Krankheit zeigt Symptome eingeschränkter Nieren- und Lebertätigkeit. Prinzipiell können Hunde aller Altersklassen erkranken. Häufig sind es aber junge Hunde bis zu einem Jahr und auch Angehörige größerer Rassen. Bleibende Nierenschäden sind nach Genesung häufig.

    

Zwingerhusten: Das Parainfluenzavirus ruft eine Entzündung der Schleimhäute in der Luftröhre und den Bronchien hervor. Der dadurch entstehende Reiz  führt zu häufigen Hustenstößen der betroffenen Hunde. Nichteitriger Nasenausfluss ist eine oft beobachtete Begleiterscheinung. Das Virus ist oft Schrittmacher für Sekundärinfektionen, die das ganze Geschehen komplizieren können und tiefer gehende Entzündungen in der Lunge hervorrufen. Etwas anders verhält sich eine reine Bordetella bronchioseptika Infektion. Klinisch unterscheiden sie sich zu Beginn nicht wesentlich, aber fortschreitend führen die Bordetellen zu einer sehr massive Schädigung der Schleimhäute. Besonders beobachtet werden muss das Verbleiben der Bakterien in der Schleimhaut über eine längere Zeit. Auch nach Abklingen der Symptome lassen sie sich wieder aktivieren und die Krankheit tritt erneut ein (rezidiviert), wenn begünstigende Faktoren hinzukommen.

 

Borreliose: Das Erscheinungsbild wird sehr differenziert beschrieben. Die Infektion beginnt meist am infizierten Zeckenbiss. Die Bissstelle rötet sich, ist schmerzhaft und bleibt mehrere Tage bestehen. Nach Ablauf der Inkubationszeit, die länger dauern kann (mehrere Wochen), können unspezifische Allgemeinsymptome, wie Fieberschübe, Bewegungsunlust und allgemeines Unwohlsein das klinische Bild bestimmen. Lahmheiten, auch mit erhebliche Gelenkentzündungen, können das fortschreitende Krankheitsbild bestimmen.

 

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Es wird beim Hund durch zentralnervöse Symptome bestimmt: Wesensänderung, Krampfanfälle, Ataxien, Zittern, Lähmungen. Diese Symptomatik kommt sehr in die Nähe der Erscheinungen der Tollwut. Sie muss differentialdiagnostisch beachtet werden.

 

 

(Quelle: Prof. Dr. Hans Wunderlich: Schutzimpfungen gegen Seuchen. In: Dr. Helga Eichelberg (Hrsg.): Die Hundezucht, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2006, S. 258 – 291)

 

 

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