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Pinscher & Schnauzer

            ... verwandtschaftliche Verhältnisse

 

Es mag dem ein oder anderen merkwürdig erscheinen, dass Pinscher und Schnauzer, obwohl sie sich in ihrem äußeren Erscheiningsbild stark voneinander unterscheiden, in einem gemeinsamen Verband, dem Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V., gezüchtet werden. Das hat aber durchaus einen Hintergrund, sie gehören nämlich zu einer Familie.

Mitte des vorletzten Jahrhunderts begann man in "reinen" Rassen zu züchten, soll heißen, man begann über mehrere Generationen hinweg Hunde stammbuchmäßig rein zu züchten, sodass sich wesentliche rassetypische Merkmale vererben konnten. In der Zeit zwischen 1850 und 1900 liegt der Beginn der stammbuchmäßigen Zucht der meisten deutschen Rassen, so auch der der Pinscher und Schnauzer.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann man also aus den vorhandenen "Landschlägen" Rassen heraus zu züchten. Bereits 1836 beschreibt H.G. Reichenbach in seinem Buch "Der Hund in seinen Haupt- und Nebenracen"  einen Rauhen Pinscher und einen Glatten Pinscher. Der berühmte Tiermaler Jean Bungartz veröffentlicht 1884 ein Buch, in dem er über 50 verschiedene Hunderassen beschreibt und zeichnersich abbildet. Darunter auch den rauhhaarigen und den glatthaarigen Pinscher. Es finden sich einige literarische Belege, in denen das Wesen und die daraus resultierende Verwendung der Pinscher beschrieben werden. So schreibt F. Kirchler 1892 in seinem "Katechismus der Hunderassen" über den deutschen rauhhaarigen Pinscher folgendes:

>>Es gibt wohl keinen Hund, der besser in den Pferdestall passt, als unser Rattenfänger. Dazu befähigen ihn außer seiner Neigung für die Gesellschaft von Pferden vor allem sein Widerwillen gegen Ratten und Mäuse, jene widerwärtigen Mitbewohner der Stallungen. Wie eine Katze verfolgt der Rattler dieses Ungeziefer und zeigt allen bissigen Ratten gegenüber größeren Mut als jene. Auch im Hause ist er ein angenehmer Hund, der sich mit den Kindern verträgt. Mit dem Spitz verglichen hat er den Vorzug, dass er bei gleicher Wachsamkeit weniger Lärm macht, sehr intelligent und mutig ist, ohne dabei zänkisch und rauflustig zu sein. Seinem Herrn zeigt er große Treue.<<

 

 

 

 

 

 

 

pinscher-familie_strebel

oben: Glatthaariger Zwergpinscher, zwei Seidenpitze

unten: Affenpinscher, Harlekin - Zwergpinscher

(von R. Strebel)

Quelle: Die Deutschen Hunde, Band 1, Richard Strebel, 1904 / 05

 

 

 

 

Der ideale Deutsche Kurzhaarige Pinscher, gezeichnet von J. Bungartz (aus Bylant 1904)

Quelle: Dr.H.Raeber: Schnauzer-Pinscher. Kynos-Verlag, Mürlenbach, 2. Aufl., 1996, S. 29)

bungartz_1884_s

Deutscher rauhhaariger Pinscher "Morro II"; Eigentümer J. Berta, Erfurt (aus Bylant 1904)

Quelle: Dr.H.Raeber: Schnauzer-Pinscher. Kynos-Verlag, Mürlenbach, 2. Aufl. 1996, S. 27)

schnauzerbylandt

 

 

 

 

pinscher-schnauzersippe_1924

Pinscher - Schnauzer - Sippe 1924, gez. von R. Strebel

Quelle: Schnauzer und Pinscher, Heinz Höller

1895 gründete Josef Berta einen Pinscher-Klub (aus dem der heutige PSK hervorgeht). Die Meinungen über die Hundetypen, die als Pinscher zu gelten hatten, gingen erheblich auseinander. Zu dieser Zeit stand es in Deutschland nicht gerade gut um den "Stallpinscher". Berta beschreibt im Vorwort des 1. Bandes des 1902 veröffentlichten Zuchtbuches die damalige Situation wie folgt:

>> Als der Unterzeichnete im Frühjahr 1895 einen Aufruf zur Gründung eines Pinscher-Klubs erließ, gab es der berufenen Züchter und Liebhaber unseres braven vaterländischen Hundes herzlich wenig. Der Schnauzer, der bedeutenste Repräsentant der großen Pinscherfamilie, war ein kynologisches Stiefkind und fristete unter den hochgeachteten Fremdlingen achtlos und kümmerlich sein Dasein. Planlosigkeit und Verwirrung herrschten in seinen Reihen, kein einheitliches züchterisches Bild fesselte den Beschauer, kein greifbarer Typus reizte den praktischen Sportmann, seine Erfahrungen und seinen Eifer an diesem hoffnungslosen Gesellen zu versuchen.

Noch schlimmer sah es bei seinem kurzhaarigen Vetter aus - er war völlig vergessen und verschollen, während die bunte Schar der Zwerge in ihrer Vielgestaltigkeit heute noch viel zu wünschen übrig lässt. Es war keine leichte Aufgabe (...) unserem rückständigen heimischen Hund die Bahn frei zu machen und die verdiente Anerkennung und BEachtung zu verschaffen. Und in der Tat ging es langsam genug vorwärts.<<

Eine klare Trennung in Mittelschnauzer, Zwergschnauzer, Affenpinscher und Zwergpinscher gab es vor der Reinzucht nicht.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man verstärkt die verschiedenen Haar- und Größentypen der Pinscher herauszuarbeiten. Aus dieserArbeit resultierten zunächst aus dem "rauhhaarigen Pinscher"die Urform des heutigen Mittelschlag - Schnauzer, aus dem "glatthaarigen Pinscher" die Urform des heutigen Deutschen Pinscher, der Seidenhaarige Pinscher (der mittlerweile ausgestorben ist) und die Zwergpinscher in glatt- und in der rauhhaarigen (heutiger Zwergschnauzer) Version.

Heute werden im PSK die Rassen:

Riesenschnauzer, in den Farben schwarz und pfeffer-salz mit einer Schulterhöhe von 60 - 70 cm;

Schnauzer, in den Farben schwarz und pfeffer-salz mit einer Schulterhöhe von 45 - 50 cm;

Zwergschnauzer, in den Farben schwarz, pfeffer-salz, schwarz-sliber und weiß mit einer Schulterhöhe von 30 - 35 cm

Deutsche Pinscher, in den Farben schwarz-rot und rot mit einer Schulterhöhe von 45 - 50 cm

Zwergpinscher, in den Farben schwarz-rot und rot mit einer Schulterhöhe von 25 - 30 cm

Affenpinscher, in der Farbe schwarz mit einer Schulterhöhe von 25 - 30 cm.

 

 

 

 

pinscher-schnauzerfamilie_1980

Pinscher-Schnauzer-Familie 1980, von M. Esser

Quelle: Pinscher und Schnauzer, Heinz Höller

 

 

 

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